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Wenn die junge Seele leidet – Psychische Gesundheit seit Corona

von Hannah Mauracher

Seit der Corona-Pandemie ist die Anzahl der jungen Menschen mit psychischer Erkrankung dramatisch angestiegen. Therapieplätze fehlen und die Jugendlichen fühlen sich im Stich gelassen. 

Die Zahl der Depressionen und Angsterkrankungen hat sich während der Corona-Pandemie in Österreich beinahe verfünffacht. Besonders unter den 15 bis 25-Jährigen sind psychische Erkrankungen seit der Pandemie enorm gestiegen.

Mehr als die Hälfte der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen weist depressive Symptome auf, sechs von zehn leiden an Essstörungen und 16 Prozent kämpfen mit wiederkehrenden Suizidgedanken. Auch die Zahl der Schlafstörungen hat sich während der Pandemie verdreifacht – Die psychischen Folgen von Corona waren für die Jugend Österreichs äußerst schwerwiegend. Die Nachfrage nach Psychotherapie ist aktuell entsprechend hoch, die Therapieplätze sind aber stets ausgeschöpft. Auch die Kinderpsychiatrien in Wien sind seit heuer extrem überlastet. Besonders viele junge Menschen fühlen sich im Stich gelassen und sind mit ihren Problemen auf sich allein gestellt.

Psychotherapeutin Sabine Texler, MSc.

Die Psychotherapeutin Sabine Texler von der Psychologischen Studierendenberatung Salzburg nennt die soziale Isolation, den fehlenden Austausch in der Peer Group, das Gefühl von Kontrollverlust über die Lebensgestaltung sowie die fehlende Alltagsstruktur als die größten Probleme junger Menschen während Corona und den Lockdowns. Ein enormer Anstieg an Studierenden mit depressiven Symptomen, sozialen Ängsten und extremer Antriebs- sowie Motivationslosigkeit war in der Beratungsstelle deutlich bemerkbar. Die Psychologin betont, dass das Thema psychische Krankheiten in unserer Gesellschaft nach wie vor tabu ist. Sie appelliert, offen über mentale Gesundheit zu sprechen und Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Jede und jeder kann von psychischen Problemen betroffen sein oder eine betroffene Person im Umfeld kennen. Vor allem junge Menschen sollten sich nicht schämen und die kostenlosen Beratungsstellen in Salzburg bei Bedarf in Anspruch nehmen.