Future Lab Audio 2019

Kaffeeorakel To Go

Wir alle sind von Ritualen umgeben, die unseren Alltag prägen. Sei es das morgendliche Kaffeetrinken mit der neuesten Tageszeitung, der kurze Lunch mit Kollegen oder das Glaserl Wein vor dem Schlafen – ohne Rituale würde unser Leben ganz schön leer sein. Diese sind auch stark kulturell geprägt – was uns völlig normal scheint, ist Menschen aus anderen Ecken der Welt oftmals völlig unverständlich. Ein solches Ritual, welches in Österreich noch relativ obskur wirkt, ist das Kaffeesatzlesen. Ein kurzer Einblick.

Von Daniel Bergerweiss und Samuel Inwinkl

„Kaffeesatzlesen ist auch bei uns häufiger anzutreffen, als man glaubt und wird von vielen Menschen betrieben, von denen man es niemals vermutet hätte“, weiß die Salzburger Künstlerin Renate Hausenblas. Sie hat es sich gemeinsam mit einer Freundin zum Ziel gesetzt, die Tradition des Kaffeesatzlesens wieder aufzugreifen. In Ländern wie der Türkei, Griechenland oder weiten Teilen des Orients ist es gang und gäbe, sich beim gemeinsamen Kaffeesatzlesen zu entspannen und Freunde zu treffen. Eine wunderbare Sache also. Doch wie genau funktioniert das Kaffeesatzlesen eigentlich?

Als erstes wird das Packerl mit dem Kaffeepulver geöffnet und die spezielle Origamitasse in eine runde Form gedrückt. Dann wird der Beutel geöffnet und der Kaffee aufgegossen, ehe er genüsslich konsumiert werden kann. „Nach dem Trinken schaut man sich die entstandenen Figuren im Kaffeesatz an“, erläutert Renate Hausenblas. Das „To Go“ im Titel ist dabei eher ironisch zu werten. Denn das Zubereiten des Kaffees, sein Genuss sowie die Interpretation des Orakels benötige viel Zeit und Geduld, so Hausenblas.

Natürlich gilt auch hier: alle Vorhersagen sind mit Vorsicht zu genießen. „Einige der Prognosen haben sich jedoch bewahrheitet“, schmunzelt Hausenblas und gießt mir noch eine heiße Tasse Kaffee auf. Was er mir wohl verraten wird?

Die Homepage: http://zoris-cafe-orakel.com/